TRAMPOMOT –  ein Entwicklungsbericht

Einleitend muss man wissen, dass es auch bei Wasserfahrgeräten wie dem TRAMPOFOIL egal ist, wie der Vortrieb erzeugt wird, ob nun mit Flossenschlag, Schlepp (mit Vorsicht zu genießen, es sei denn unbemannt) oder Schub, z.B. durch einen Propeller.
Wenn man bedenkt, dass selbst ein trainierter Otto-Normalverbraucher am Fahrradergometer kurzzeitig nicht wesentlich mehr als 300W entwickelt und Bahnradfahrer (der ich ja nicht bin) 500W nur geringfügig überschreiten, war die energetische Seite in etwa klar.
Da habe ich mich erinnert, dass es neuerdings leichte Motorsensen mit Verbrennungsmotor gibt, die eine so passend erscheinende biegsame Welle (mit starrem Außenrohr) haben. Könnte man doch „umgedreht“ benutzen und anstatt des Fadenkopfes einen Propeller montieren.
Also recherchiert, große Leistungs- und Preisunterschiede selbst bei gleichem Hubraum festgestellt und dann letztendlich von SACHS-DOLMAR eine LT 250 erworben. Die hat immerhin mit 25 cm³ 0.95 kW bei 7000 u/min und außerdem noch eine Fliehkraftkupplung und ein ansprechendes kompaktes Design. war aber mit 275 EUR nicht ganz billig.

Die ersten Versuche
Die inflationär verwendeten Kinder-Schwimmhilfen sind inzwischen durch etwas Eleganteres ersetzt worden

Nun musste ich feststellen, dass das Rohr mit der biegsamen Welle leider zu lang war. Um es nicht kürzen zu müssen und weil ich derzeit noch nicht wusste, wie man an die gekürzte Welle wieder einen Vierkant ranzaubert, habe ich mir für ca. 35 EUR dann doch noch eine Wellenbaugruppe von der mit 0,51 kW leistungsschwächsten und billigsten Ausführung „Partner Colibri“ besorgt. Da passten die Maße, allerdings war die Welle auch im Durchmesser um eine Nennweite kleiner. Das macht aber nichts, da es sich im Wasser nicht um stoßweise Belastungen handelt, wie sie beim Rasen Mähen vorkommen. Der Vierkant war natürlich auch kleiner. War gar nicht so einfach, das elegant auszufüttern. Die ursprüngliche Welle ist mir übrigens zum Rasen Mähen erhalten geblieben. War ja noch nicht ab zu sehen, ob mein Versuch, das TR. zu motorisieren auch funktioniert.

Aber es hat funktioniert, siehe Video zum Herunterladen  TRAMPOMOT ca. 2,4MB. Dekodierer hierzu siehe Hinweise auf voriger Seite. >> TRAMPOFOIL Am 3. Oktober 2002  war ich damit ½ Stunde am Stück unterwegs, bin allerdings zwischendurch an einen Steg heran gewunken worden. Waren sehr interessierte Leute. Der Sprit hätte übrigens auch für etwa eine ganze Stunde gereicht, möglicherweise auch dadurch bedingt, dass ich ab und zu ein wenig mit „gehoppelt“ bin, bei gedrosseltem Motor. Ist sonst ja auch langweilig. Übrigens ist es möglich, und so war es auch gewollt, dass man sich bei Motorstillstand allein durch Beinkraft ans Ufer oder zumindest aus Gefahrenzonen rettet. Das habe ich im Video auch kurz demonstriert. Ist dann allerdings ein rechter Kraftakt, denn die Zusatzanbauten erzeugen doch einen erheblichen Widerstand. Aber man konnte sich ja vorher ausruhen.

Der verbesserte Antrieb

Apropos Widerstand: Die Bilder lassen erkennen, dass da ein wenig Feinarbeit geleistet werden musste. 
Bezüglich Schalldämpfung habe ich auch einiges erreicht, so dass man jetzt ohne Schallschutzklappen fahren kann. Das will durchaus etwas heißen, denn ich bin da ansonsten ziemlich empfindlich und benutze sogar bei normalen Außenbordern die Dinger, allerdings mit kleinen Kopfhörern drin. Da hat das sogar noch einen kulturellen Wert. 

Nicht ganz ohne ist auch der Propeller, denn es gibt eventuell für diese Leistung und Drehzahl, nicht aber in Kombination mit dieser Bahngeschwindigkeit etwas zu kaufen.

Habe ich mich also so gut es ging in die Propellertheorie eingearbeitet und selbst etwas angefertigt und nach einer Woche fast unmenschlicher Arbeit festgestellt, dass ich mit der Steigung ca. 20% von der Rechnung abgewichen bin. Das heißt, mein Propeller bremst den Motor noch zu stark, so dass er die Nenndrehzahl nicht erreicht und damit auch nicht die Nennleistung und ich nicht ganz die angestrebte Geschwindigkeit von etwa 18 km/h, aber es geht schon, wie man sieht.

Für alle, die sich für einen Nachbau oder Erwerb interessieren: Einen kompetenten Ansprechpartner in Sachen Propellerentwicklung habe ich inzwischen in Potsdam gefunden. Allerdings wird da etwas Geld angefasst werden müssen. Dafür kann man dann mit dem entsprechenden Datensatz auf einer 3-dimensionalen CNC-Fräse beliebig viele Exemplare mit guter Qualität herstellen.

Für meinen Prototyp werde möglicherweise ich erst einmal versuchen, die zu groß geratene Steigung durch eine beschleunigende Ringdüse zu kompensieren. So eine Ringdüse als Propellerumhausung soll aus Schutzgründen sowieso noch nachgerüstet werden, auch wenn sie bei diesen Geschwindigkeiten nicht mehr viel Zuwachs an Schub bringt. 
All das wäre in der nächsten Saison zu erproben. Die fast inflationär verwendeten orangefarbenen Kinderschwimmhilfen wären auch noch durch etwas Elegantes Unscheinbares zu ersetzen.                           Soweit der Stand im Frühjahr 2003

Inzwischen liegen neue Erkenntnisse vor:
Die Schwimmhilfen sind ersetzt worden. 
Die Ringdüse hat sich bezüglich Schub so verhalten, wie erwartet. Hat allerdings die Steigung nicht kompensieren können.
Das Propeller-Fräsen würde die Kleinigkeit von 2500 EUR an aufwärts kosten, dann aber nur in Messing. Aluminium würde noch teurer, da man mit der Schnittgeschwindigkeit runter gehen muss. Sonst bleibt nicht viel bis zum Schmelzpunkt. Soweit zum Thema "wenn Hoffnungen sterben".
Die Lösung wird Laser-Sintern aus Metallpulver sein. Das Pulver besteht aus nicht rostendem Stahl und es wird nachträglich noch mit flüssiger Bronze getränkt. Festigkeit ähnlich ST 50!, Selbstkosten ca. 300 EUR  mit Preisnachlässen bis zum Faktor 6 beim ausnutzen des "maschinenspezivischen Arbeitsvolumens". Na, das macht doch Hoffnung, will aber auch bezahlt werden.


Noch einmal zum Nachbau: Da man mit der Wellenbaugruppe von der PARTNER Colibri gut bedient ist, wäre es für den, der sparen muss, möglicherweise Erfolg versprechend, wenn er gleich die ganze Maschine nimmt, denn sie kostet nur so um die 122 EUR. Beim Vergleich der Explosivzeichnungen Sachs/Partner (an Schnittdarstellungen bin ich nicht heran gekommen) konnte ich erst einmal keinen Grund feststellen, warum die PARTNER bei gleichem Hubraum nur etwa halb so viel Leistung hat, wie die SACHS. Bliebe, da thermische Gesichtspunkte hoffentlich ausscheiden, nur der Vergaserdurchlass, der bei der SACHS 9 mm beträgt. Warum nicht die PARTNER umrüsten?! 
Was sonst noch möglich ist, da eh ein Zusatzschalldämpfer verwendet werden muss, wäre die Ausrüstung mit einem leistungssteigernden Resonanzauspuff. Auch dafür kann ich auf Anfrage Hinweise geben. Spätestens hier sei gesagt, dass man die Leistungssteigerung wirklich braucht. Denn so ein hoch drehendes Propellerchen hat praktisch nicht viel mehr als 50% Wirkungsgrad. Weitere Verluste von etwa 10% entstehen durch die biegsame Welle und ein paar Reserven sollte man dem Motor vielleicht auch gönnen.

Ein anderer Weg, den die Experten viel lieber sehen, ist die Verwendung eines Getriebes, so dass die Propellerdrehzahl sinkt, der Durchmesser steigen darf und letztendlich auch der Wirkungsgrad. Allerdings steigt damit auch der Aufwand und, da das Getriebe im Wasser zu viel Wiederstand erzeugen würde, benötigt man eine dickere biegsame Welle, die das höhere Drehmoment dann auch aushält.
Was die Kolibri nicht hat ist eine Fliehkraftkupplung, aber das stört wahrscheinlich nur dann richtig, wenn man das Gerät bei stehendem Motor nur mit Muskelkraft betreiben muss. Ein frei mitdrehender Propeller bremst nämlich laut Auskunft der Experten nur wenig, auch wenn er eigentlich von der falschen Profilseite angeströmt wird. Abhilfe könnte ein so genannter Freilauf bringen. Die energetisch sicherere und vom Design bessere Variante bleibt allerdings die mit der Antriebsmaschine von SACHS.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich natürlich auch an einen Elektroantrieb gedacht habe, mit wesentlichen akustischen Vorzügen. Damit die Energiequelle allerdings bezahlbar bleibt, kommt man wohl nicht um einen leichten Autoakku herum. Mit ca. 10 kg wäre man dabei. Soll der Beinantrieb beim TR. weiterhin funktionieren, muss der dann allerdings in einem Rucksack mit genommen werden.  Im Sackerl (;-) mitgeführte Schwimmkörper können vermeiden, dass im Fall der Fälle die Taucher bemüht werden müssen.


Bliebe noch mit zu teilen, dass die Motorisierung als Erfindung rechtlich geschützt ist und da ich mein „Baby“ TRAMPOMOT getauft habe, beanspruche ich auch die Rechte an diesem Namen. Trotzdem können die Erkenntnisse für den privaten Gebrauch angewandt werden. Nur wenn jemand mit der Idee etwas kommerzielles aufziehen will, sollte er sich mit mir in Verbindung setzen! Da ich nicht weiß, ob und in welchem Zeitrahmen ich eventuelle Lieferungswünsche bedienen kann, ist es auch nicht ausgeschlossen, dass ich für den Eigenbau weitere Auskünfte erteile und auch Zeichnungen herausgebe. Ich gedenke damit, meine Referenz an den, wie anfangs erwähnt, kleinen Liebhaberkreis zu erweisen und bin natürlich für jeden gut gemeinten Hinweis dankbar.

                                                               Stand: 15. Juni 2005                                                zurück zur Startseite